Die Künstlergruppe "Brücke" in Dresden-Löbtau
Die Künstlergruppe "Brücke" in Dresden-Löbtau
Der Expressionismus zu Beginn des 20. Jhts.
Der Expressionismus in Löbtau konzentriert sich auf drei wesentliche Elemente:
Die Künstlergruppe „Die Brücke“, die sich 1905 formierte
Die Lampenfabrik in der Gröbelstraße, in der die „Brücke“ ihre erste Ausstellung hatte
Das Atelier von Otto Dix in der Kesselsdorferstraße
Ernst Ludwig Kirchner, Dresden-Friedrichstadt, 1909
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Die Künstlergruppe „Brücke“ wurde 1905 in der Friedrichstadt von den Künstlern Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938), Fritz Bleyl (1880-1966), Erich Heckel (1883-1970) und Carl Schmidt-Rottluff (1884-1976) gegründet. Die Atelierräume von Kirchner und Heckel befanden sich in der Berliner Straße Nr. 60 in der Friedrichstadt.
Das „Topflappenviertel“, wie der Arbeiterbezirk auch genannt wurde, grenzte unmittelbar an Löbtau, wo die erste umfangreiche Ausstellung stattfand, und bot den Künstlern viele Vorteile und Möglichkeiten zur künstlerischen Entfaltung.
Während Bleyl die Gruppe frühzeitig verließ, um eine bürgerliche Karriere einzuschlagen, verblieben die Ingenieure Kirchner und Heckel und der Student Schmidt-Rottluff in ihr, wobei Kirchner das Sprachrohr bildete.
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Der Expressionismus reduziert die Form auf das Wesentliche und gestaltet die Nuancen der Farben kontrastreich und in grellen Tönen.
Die Themen werden auf das Alltägliche reduziert und die Blickwinkel aus unkonventionellen Perspektiven erstellt.
In der Gemäldegalerie „Neue Meister“ in Dresden befinden sich zur Zeit (2023) vier Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner:
Kirchner: Parksee, 1906 (ohne Abbildung)
Kirchner malt das Bild „Parklandschaft in Dresden“ 1906. Ausgang war das Bild „Seerosenteich“ von Claude Monet.
In impressionistischer Manier setzt Kirchner Pinselstriche aneinander, um das Gesehene unmittelbar farblich wiederzugeben.
Hier, zwischen verschiedenen Elementen des impressionistischen Natureindrucks, geben sie eine eigene, dem Naturerlebnis entsprechende Stimmung wieder.
Der See in einem Park in Dresden, bei dem es sich wahrscheinlich um den „Großen Garten“ handelt, zeigt das Gewässer mit Uferböschung und Pflanzen. Die einfallenden Lichtimpulse setzte Kirchner in ungemischten, schrägen Pinselstrichen auf die Leinwand.
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Ernst Ludwig Kirchner, „Stehende nackte Mädchen am Ofen“, 1908/09
Bei dem Bild „Stehende nackte Mädchen am Ofen“ von 1908 handelt es sich um eines von den berühmten „Viertelstunden-Akte“; schnelle, um der Spontaneität willen gemalte Bilder, wahrscheinlich in Moritzburg.
Die beiden Aktmodelle erscheinen in leuchtendem Gelb und abgestuftem Rosa vor einem blauen Kachelofen. Die umrißartig gesetzte Linie akzentuiert das Gemälde. Die Vorläufer waren die französischen „Fauves“.
Das Bedürfnis nach Unmittelbarkeit und Offenheit verleiht diesem Gemälde die Bedeutung. Es besticht durch seine Natürlichkeit und Ursprünglichkeit.
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„Eisenbahnüberführung Löbtauer Straße in Dresden“ von 1910/26; auch sie ist in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Galerie Neue Meister, zu sehen.
Vorbild dürfte die Kunst Van Goghs gewesen sein, die 1905 in Dresden und 1910 in Berlin ausgestellt war.
Eine spannungsreiche Komposition gelingt Kirchner durch die Untersicht unter die Brücke und die Draufansicht auf das Haus.
Die vorherrschende Farbe in dem Bild ist Blau. Das hellblaue der Stahlkonstruktion und der Wege korrespondiert mit dem Dunkelblau des Hausdaches und des Himmels.
Kirchner setzt Akzente in Rot bei der Baumgruppe, dem Boden, der Ziegeleinfassung des Hauses und dem Hemd des Karrenführers.
Das Gelb der Eisenbahnunterführung findet sich im Hemd des Karrenführers wieder.
Das Motiv großstädtischer Eindrücke wird von Kirchner 1911 in Berlin fortgesetzt.
Die naturalistische Betrachtungsweise weicht einer farbenfrohen, expressiven Malweise, bei der die Gegensätzlichkeit im Vordergrund steht.
Kirchners erste pastose Malweise von 1910 geht in eine letzte Übermalung von 1926 über.
Die unmittelbare Wahrnehmung weicht einer Betrachtung in grellen, unrealistischen Farben.
Die „Eisenbahnüberführung Löbtauerstraße“ existiert noch heute, die Straßeneinmündung Löbtauer/Roßthalerstr. sieht heute so aus:
© Dagmar Radons, 2023
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Kirchners „Straßenbild vor dem Friseurladen“ von 1926 ist in Dresden zu betrachten:
1926:“ Straßenbild vor dem Friseurladen “. Bei dem Bild handelt es sich um eine der berühmten Straßenszenen, die Kirchner in der Großstadt malte.
Es zeigt eine Menschengruppe vor einem Geschäft. Im Vordergrund schreitet ein Paar mit gesenkten Köpfen einher. Der Blick konzentriert sich auf die in einem grellen Gelb dargestellte Frau im Mittelgrund, die ihr Interesse dem Schaufenster zuwendet, in dem sich einige Frauen einfach darbieten und ihrem Beruf als Frisuesen nachgehen. Vor dem Schaufenster mehrere Männer, die um das Fenster stehen und mit geneigtem Blick umhergehen.
Die Szene spielt im nächtlichen Berlin und zeigt die Entfremdung und Einsamkeit in der Großstadt.
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Weitere Brücke-Maler:
Erich Heckel: „Sonnenblumen“, 1919 (ohne Bild)
Das Bild zeigt ein Porträt eines bislang nicht identifizierten Mädchens neben einem Tisch mit einer Blumenvase und einer Kaffeekanne. Die Vase mit den Sonnenblumen akzentuiert das Bild in der Mitte, insbesondere mit der detaillegetreuen Wiedergabe des Gefäßes.
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Carl Schmidt-Rottluff: Die „Baumlandschaft“ von Schmidt-Rottluff von 1928 (ohne Bild) entstammt dem Genre der Landschaftsmalerei, wodurch sie dem Zugriff der Nazis 1937 als entartete Kunst entging. Die dominierende Farbe ist blau, kontrastiert von Gelb und Grün. Die Bäume sind stark konturiert und erscheinen von der Sonne beschienen. Die Volumität entsteht durch das Spiel von Licht und Schatten.
Der monumentale Stil wird erreicht durch das Abrunden der Formen und der starken Leuchtkraft.
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Karl-Schmidt-Rottluff (ohne Bild): Frauenkopf mit Maske, 1912
Schmidt-Rottluff kam vom Kubismus und weist in dem Dresdner Maskenbild einen von der gegenständlichen, beobachteten Wirklichkeit ausgehenden Expressionismus auf.
Ausdrucksgeladen zeigt sich die starke emotionale Komponente in der dramatischen Mimik:
die Stellung der Augen, die hochgezogene Schulter und die Hohlform der Maske mit den Augen- und Mundlöchern.
In dem Gegenüber von männlicher Maske und Frau wird ein weiterer Aspekt des Geschlechterkonflikts eröffnet.
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Karl Schmidt-Rottluff, 1921, Landschaft
in Rottluff (ohne Bild)
Die dominierende Farbe in diesem Bild ist Blau; Gelb, Grün und Rot umranden den Weg.
Der Bildgegenstand, die kleine Dorfstraße in Rottluffs Heimatdorf, scheint wie auseinandergeklappt und unterstützt den Eindruck der Bewegtheit.
Die begleitenden Häuser erscheinen fallend und stehend zugleich.
Die Spaziergänger, mit herausragenden Köpfen, in Orange gehalten, sind untergeordnet.
Die Welt scheint ins Wanken geraten zu sein.
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Die Wahl des ersten Ausstellungsortes der “Brücke“ in Dresden, Löbtau, Gröbelstr. 17 war kein Zufall.
Die erste Ausstellung der Gruppe fand am 24. September 1906 in den Ausstellungsräumen der Lampenfabrik des Max Seifert, Gröbelstr. 17, statt. Die Fabrik wurde 1905 von Wilhelm Kreis gebaut und diente der Gruppe als erster wichtiger Ausstellungsort 1906/07 in deren Schauräumen.
Der Ingenieur- und Archtitekturwesen studierende Erich Heckel hatte Kreis an der Hochschule kennengelernt, und arbeitete später als Zeichner und Assistent in seinem Büro, wo er wahrscheinlich Seifert kennenlernte. Kreis war mit dem Neubau von Schauräumen beauftragt und setzte Heckel als Bauleiter ein. In dem Gebäude wurden die Bilder zwischen die Lampen gehängt.
Das Gebäude war damals hochmodern. Es steht zwischen Historismus und Moderne und ist mit seinem geschwungenen Giebel dem Jugendstil verbunden. Es steht heute unter Denkmalschutz.
Bild der Gröbelstr. 17, heute ein Medizinalzentrum
© Dagmar Radons, 2023
Da die Ausstellungen in der Gröbelstraße und anschließend in der Galerie Arnold in der Schloßstraße keinen Erfolg zeigten, entschlossen sich die Künstler 1911, nach Berlin überzusiedeln, um sich einem erfolgversprechenderen und aufgeschlossenerem, zahlendem Publikum zuzuwenden.
1913 löste sich die Gruppe aufgrund von Querelen wieder auf.
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Otto Dix (1891-1969)
Die Wohnung von Otto Dix befand sich im benachbarten Stadtteil Plauen. Das Atelier war jedoch in unmittelbarer Nähe zur Gröbelstraße, einen Steinwurf entfernt.
Seine Malweise entspricht der altmeisterlichen Manier, die seinem Können und Erfolg zugrunde liegt.
Der 1891 in Gera geborene Otto Dix blieb Zeit seines Lebens seiner Wahlheimatstadt Dresden verbunden und behielt bis zu seinem Tode das Atelier in Dresden-Löbtau, Kesselsdorferstr. 11, bei.
Otto Dix war Schüler von Otto Gussmann, dem Direktor der Kunstakademie, gewesen, deren Meisterschüler Max Pechstein, ein späteres Brückemitglied war.
Er war Porträtist und ein großer Gegner des Krieges.
So wie die Maler der „Brücke“, der er später selbst nahestand, galt er als Bürgerschreck und gilt als Vertreter des deutschen Expressionismus – von der Neuen Sachlichkeit, dem Kubismus bis zum Dadaismus.
Genau wie die „Brücke“-Künstler wurde Dix von den Nazis 1933 verboten, 1937 wurden seine Werke beschlagnahmt. Das berühmte Bild „Schützengaben“ ist seitdem verschollen.
Dix war Professor an der Dresdner Kunstakademie.
Mit dem Bild „Der Krieg“ - Triptychon besitzt die Gemäldegalerie in Dresden zweifelsfrei eines der herausragendsten Kunstwerke.
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Otto Dix: Der Krieg (Triptychon), 1929/32
© Staatliche Kunstsammlung Dresden, Albertinum, VG Bild Kunst, Bonn
Das Gemälde „Der Krieg“ zeigt eine Schlacht oder ein Gefecht an einem Tag des Ersten Weltkrieges. Das vierteilige Triptychon ist von links nach rechts zu lesen. Am Schluß verbleibt der Blick in der Predella.
Auf der linken Seite ziehen zwei Soldaten der Infanterie in die Ferne, in die Schlacht. Dix zeigt sie von rückwärts. Morgennebel umhüllt die Beiden; andeutungsweise könnte es sich bei den Schwaden auch um Giftgas handeln. Die beiden kennen sich, blicken einander an. Sie ziehen mit ihrer Truppe in die Richtung eines Dorfes.
Der mittlere ist der größte Teil des Triptychons. Das Gefecht ist in vollem Gange: ein Volltreffer.
Am unteren linken Bildrand liegt eine Leiche in einer Dornenkrone aus Stacheldraht auf dem Kopf:
Entsetzen zeichnet das Antlitz.
Der Glaube ist verloren. Es gibt kein Leben mehr. Lediglich ein Soldat mit Stahlhelm und Gasmaske steht am Feld. - zerrissene Leiber, Blut und Ruinen beherrschen das Bild.
Versenkte Baumstämme, Stacheldraht, herabfallende Steine: das Dorf sieht einer Zerstörung entgegen.
Wie ein Gespenst umspannt ein Skelett die beiden Bildteile der Mitte im oberen Bereich. Umkleidet von durchlöcherter Haut oder Pergament wird die flatternde Gestalt in das Bild hineinkatapultiert. Ein Schuh und wenig Kleidung umkleiden noch die nackten Knochen, der Mund wirkt schaurig aufgesperrt. Der Finger weist auf eine weitere Leiche.
Rechts erscheint ein getöteter Soldat, der kopfüber in einem Trümmerhaufen liegt und die Beine in den Himmel reckt. Die Glieder sind zerschossen und unter einem Berg von Sandsäcken streckt eine blutleere Hand heraus; im Todeskampf umfaßt er ein Säckchen, sodaß der Sand hinausrieselt.
Die rechte Seite zeigt ein Selbstporträt von Otto Dix, wie er mit einem entsetzten Antlitz aus dem Bild schaut. Er versucht, einen verletzten Kameraden zu retten. Hier erscheint ein Aspekt der Menschlichkeit nach vorausgegangenem Unheil.
Der untere Teil, die Predella, zeigt einen Unterstand, in dem sich Tote und Verwundete, eng beieinander finden, oder ein Grab, oder ein sicherer, verbretteter Verschlag, wo man auf den Angriff am nächsten Morgen wartet.
Das Atelier in der Kesselsdorferstr. 11 in Dresden-Löbtau
© Dagmar Radons
Literaturhinweise:
Dalbajewa, Birgit: Die Brücke in der Dresdener Galerie, Dresden, 2006
Dalbajewa, Birgit: Otto Dix in der Dresdener Galerie, Dresden, 2007
Presler, Gerd: Die Brücke, Reinbek, 2007
Sadowsky, Thorsten: Ernst Ludwig Kirchner, 2017
Impressum:
Dagmar Radons
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Postfach: 27 01 54
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