Die Maler der Brücke in dem Dorf Moritzburg
Die Maler der Brücke in dem Dorf Moritzburg
Ein Spaziergang auf den Spuren der Künstler
Foto: Schloss Moritzburg; Dagmar Radons, 2025
Die Maler der Brücke in dem Dorf Moritzburg
Die Maler der Künstlergemeinschaft „Die Brücke“ Kirchner, Bleyl, Heckel und Schmidt-Rottluff veränderten den Stil, den sie in Dresden entwickelt hatten und wandten sich der ländlichen Umgebung zu. Hier verbrachten sie die Sommermonate von 1909 bis 1911.
Die Künstler (Architekten und Architekturstudenten) kehrten sich von der traditionellen Malweise ab und konzentrierten sich auf alltägliche Szenen.
Mit den Umrißlinien und lebhaften Farben werden nicht Objektivitäten wiedergegeben, sondern erlebte und gefühlte Gedankeninhalte, die sie vor dem Betrachter zum Ausdruck bringen.
Sie waren Avantgardisten, Expressionisten. Gesehene und erlebte Gefühlsprozesse werden von der Objektivität entfremdet, die Konturen stark betont und die Farben verfremdet. Das Ausdrucksmittel der „Brücke“ war die Farbe Rot, das Sujet der Gruppe: der Akt in der freien Natur.
Von den ursprünglichen Gründungsmitgliedern waren Bleyl, Heckel und vor allem Kirchner in Moritzburg, um die Sommeraufenthalte 1909-1911 zu genießen.
Ein Aufenthalt von Schmidt-Rottluff ist nicht belegt. Ein wenig später kam Max Pechstein zur Gruppe.
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Moritzburg liegt 20 km vor den Toren Dresdens. Schon auf der Schloßallee erscheint das Schloß in der Ferne, umgeben von Pavillons und dem Schloßteich. Innerhalb eines städtebaulichen Konzepts wurde diese Straße erst im Barock angelegt.
Moritzburg hieß früher Eisenberg und wurde 1934 eingemeindet. Der eigentliche Dorfkern liegt südlicher und ist vom Schloß ausgehend vom Markt und der anschließenden Straße zu erreichen, die leicht zylindrisch verläuft.
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Die Stelle, an der Pechstein den „Pferdemarkt“ malte, liegt zwischen der Schloßallee und der alten Dorfstraße. Auch wenn hier keine Pferde mehr verkauft werden, ist der „Roßmarkt“ erhalten geblieben.
Moritzburg „Roßmarkt“, Foto: Dagmar Radons 2025
Max Pechstein (1881-1955) trat der Gruppe 1906 bei, studierte 1900 bis 1906 an der Kunstgewerbeschule in Dresden und der Akademie der Künste.
Er ließ sich 1908 in Berlin nieder und schied 1912 aus der Brücke aus.
Das Haus am Markt, gen. „Wiesenrand bei Moritzburg“, heute Borngartenweg, ist ein weiteres Gemälde Pechsteins. Der Blick ist heute verbaut.
Borngartenweg, Foto: Dagmar Radons 2025
Der Borngartenweg verbindet die alte Dorfstraße (mit dem Marktplatz) mit der Schloßallee.
Die zylindrisch zulaufende Dorfstraße bot vielen Menschen gestern wie heute eine Möglichkeit zum Ausspannen und das Schloß bietet eine Vielzahl von perspektivisch veränderten Ausschnitten der Wahrnehmung, die auch die „Brücke“beschäftigte.
Das Schloß
Foto: Dagmar Radons 2025
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Die Modelle
Ernst Ludwig Kirchner: Stehende nackte Mädchen am Ofen, 1908/09
Bei dem Bild „Nackte Mädchen am Ofen“ von 1908/09 handelt es sich um ein Bild, das wahrscheinlich in Moritzburg gemalt wurde und noch in der Tradition der betonten Körperlichkeit entsteht.
Der Akt steht noch in seiner Volumentalität, nicht in der Schlankheit der späteren, kindhaften Modelle der Fränzi und Marcella.
Bei den Viertel-Stunden-Akten geht es um die „hingeworfene“, spontane Art des Ausdrucks, nicht des Akademismus.
Neu in der Gruppe war die Aufnahme junger künstlerischer Modelle, die sie in Dresden kennengelernt hatten.
Statt der voluminösen weiblichen Erscheinungsform von Frauen wandelt sich das Bild zur schlanken, femininen Frau, die fortan den Stil beherrschte.
Sie hatten in Dresden Modelle gesucht, die dem Standard nicht entsprachen und sich spontan und undressiert bewegen konnten. Sie fanden sie auf Vermittlung des Hausmeisters der Kunstakademie.
Sie wurden gefunden in der 8-jährigen Fränzi und der etwas älteren Marcella, Früher fand sich in der Literatur, daß sie Töchter eines kürzlich verstorbenen Artisten seien. Diese Behauptung ist nicht mehr haltbar, sie waren auch keine Geschwister. Marcella ist später unter dem Namen Marcella Sprentzel zu finden. - Ab und zu soll die Mutter die Kinder in Moritzburg besucht haben, kontrollierte sie und fuhr entspannt nach Dresden zurück. Max Pechstein schrieb in seinen Erinnerungen, hin und wieder erschien die Mutter, um sich als ängstliches Huhn zu überzeugen, daß ihren auf dem Teich des Lebens schwimmenden Entenküken nichts Böses widerfahren sei. .
Fränzi: Foto von Ernst Ludwig Kirchner
Ernst Ludwig Kirchner: Fränzi in der Hängematte, 1909
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Am Ende der alten Dorfstraße, trifft man, idyllisch gelegen, auf den alten Dorfkern mit dem Teich. Der Dorfkern, umgeben von Dreiseithof und der alten Brauerei, bot den Künstlern, die damals in Moritzburg lebten, Quartier. (1910).
Blick auf den Dorfteich, Foto, D. Radons 2025
Die alte Brauerei bot den Künstlern Quartier. Vermutlich vermietete man nur privat.
Ernst Ludwig Kirchner, Landschaft mit Fluß und Häusern, 1909
Während ein großer Teil der Brauerei 1926 abbrannte, blieb der Wohntrakt erhalten.
Alter Brauhof, Foto: Dagmar Radons, 2025
Max Pechstein benutzte das Gebäude, um die gegenüberliegende Straße zu malen:
Wie vor 100 Jahren, bietet sich das Anwesen mit den beiden seitlichen Seitenflügeln, runden Giebelfenstern und Flügeltüren dar. Die Seitenflügel mit den großen Türen dienten als Scheune, die die Heuballen aufnahmen. Noch heute sieht man die kleine seitliche Straße, die auf die Felder führte.
Foto: D.Radons, 2025
Die Straße führt hinaus auf das Gelände des Dippelsdorfer Teiches, damals entlang an der alten Windmühle, heute durch ein Naturschutzgebiet.
Dort entwickelten die Künstler ihren reifen Stil, mit ihren schlanken, bizarren Formen waren sie zugleich Vorläufer des Kubismus.
Literaturhinweise:
Brückeweg. Auf den Spuen der Künstlergruppe BRÜCKE in Moritzburg
Herausgeber: Kulturlandschaft Moritzburg GmbH, Brücke Verein Moritzburg e.V.
Kulturlandschaft Moritzburg GmbH, Brücke Verein Moritzburg e.V., o.J.: BRÜCKE WEG
Pressler, Gerd: Die Brücke, Reinbek bei Hamburg, 2007
Impressum:
Dagmar Radons
01172 Dresden
Postfach: 27 01 54
E-Mail: radons.fx@gmx.de




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