Frida Kahlo

 

Frida Kahlo


Frida Kahlo als Ikone der Emanzipation


Seit den 70 ern gilt die mexikanische Malerin Frida Kahlo als Ikone für Emanzipation. Seit den 70ern wiederentdeckt, war sie ein Sinnbild von Selbständigkeit und Weiblichkeit. Sie wurde am 6. Juli 1907 in Mexico-Stadt geboren und verstarb dort am 13. Juli 1954. In dieser Zeitspanne verbrachte sie ein aufregendes Leben, das von einem sehr schweren Verkehrsunfall gekennzeichnet war und sie zur größten Malerin Südamerikas werden ließ.

Sie war sehr gebildet und beschäftigte sich mit einem Medizinstudium. Am 17. September 1925 erlitt sie einen Unfall: eine Straßenbahn rammte den Bus, in dem sie saß, eine Haltestange durchbohrte ihr Rückgrat. Zahlreiche Knochenbrüche und Verletzungen an inneren Organen und der Gebärmutter erlitt sie. Sie erfuhr über 30 Operationen, die ihr Leben beherrschten.

Ihre Bekanntschaft und spätere Heirat mit Diego Rivera ließ sie zur Kommunistin werden.



*



In der Rekonvaleszenz beginnt sie, ans Bett gefesselt, zu malen. Ihr Sujet: Selbstporträts. Man befestigte einen Spiegel über ihrem Bett. Sie beginnt, sich abzubilden: sich selbst, in ihrer Leidensgeschichte, in ihrem Verhältnis zu den Tieren, der Umwelt und zu ihrem Ehemann.

Sie blickt häufig am Betrachter vorbei, aber auch eindringlich und stumm. Sie ist stolz. Wobei sie, in einem Korsett, introvertiert und autonom erscheint. Der Blick ist sprachlos, allein die Bilder sprechen.



*



Die „Gebrochene Säule“ von 1944 geht im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut: Der Körper ist geöffnet, der Oberkörper nackt. Er zeigt die degenerierte Säule mit den gebrochenen Wirbeln. Das Bild zeigt sie mit tränenüberströmten Wangen, die Haut mit Nägeln gespickt.

Ganz direkt spricht die Malerin ihre Situation als Behinderte an. Sie spielt auf das orthopädische Stützkorsett an, ohne das sie sich nicht mehr bewegen konnte. Überall sind Schnallen zu sehen, die ihr Halt geben. Die Nägel zeigen die qualvollen Schmerzen auf, denen sie sich nicht mehr entziehen kann. Aber das Bild weist auch die Stärke auf, mit der sie ihrem Schicksal entgegentritt, - was durch die aufrechte Säule gekennzeichnet ist. Über dem ebenfalls geborstenen Becken liegt ein Leinentuch wie es in Operationssälen gebraucht wird.

Wieder beschränkt ein Korsett ihre Freiheit. Ausdruckslos nimmt sie ihr Schicksal an. Zwei Jahre später unterzieht sie sich einer schmerzhaften Knochentransplantation in New York.



Frida Kahlo: Die „Gebrochene Säule“, 1944


Frida Kahlo und die Tiere


„Meine Bilder sind mit Sorgfältigkeit gemalt, nicht mit Leichtigkeit, sondern mit Geduld“ (Kahlo) -

Die Tiere sind ihre Begleiter, stellen häufig den Kontakt zum Betrachter her: die Affen und das zahme Reh Granizo.

In „Der Kleine Hirsch“ (1946) trägt das Tier ihr Gesicht. Es zeigt ihre Verletzungen: tiefe Schnitte, 9 Pfeile haben das Tier getroffen, aus den Wunden fließt Blut.; aber auch ihre Bezogenheit zur Natur. kommt zum Ausdruck. Die Tiere halfen ihr in ihrer Einsamkeit, sich in ihr zurechtzufinden und ihr Hoffnung zu geben. Die geschundene Kreatur stirbt mit ihrem Antlitz.

Henri Rousseau (1844-1910) war ihr Vorbild wegen seiner phantasievollen Pflanzen- und Tierbilder.




Frida Kahlo, Selbstbildnis mit Affe, 1938


*


Die Märtyrerin


Sowohl im Bild „Kleiner Hirsch“ als auch im „Selbstbildnis mit Dornenkranz“spricht sie auf die christliche Mythologie des Märtyrertums an und spielt auf ihre Leidensfähigkeit an. Sie zeigt ihren Stolz.

Im Bild „Selbstbildnis mit Dornenkranz“ zeigt sie sich mit Äffchen und einem kleinen schwarzen Panther. Die Tiere umrahmen ihren Kopf, ein Geflecht aus Dornen umschließt ihren Hals und ihre Schultern. Wieder überwindet ihre Stärke mit Hilfe der Natur und der Tiere die Schwäche.

Das Werk der Kahlo umfaßt aber auch weitere, heitere Aspekte. Sie war auch eine fröhliche, lebhafte und gesellige Frau




Frida Kahlo, Selbbildnis mit Dornenhalsband, 1940


*


Die Begabung


Kahlo schafft ihre eigene Wirklichkeit. Sie entsteht aus dem direkten, wahrhaftigen und existentiellen Erfahren, Erleben und Empfinden.

Sie lernte zeichnen, schon, als sie die Photographien ihres Vaters kolorierte. Nach ihrem Unfall lernte sie bei dem hoch angesehenen Künstler Rivera malen. Sie malt häufig kleinformatig und filigran - in Öl, mit feinsten Strichen. Später unterrichtete sie selbst in Mexico-Stadt.


*


In ihren Selbstporträts spiegelt sich die Genauigkeit der Photographie wieder. Inhaltlich war sie Avantgardistin. Die Avantgardisten folgten den europäischen Vorbildern seit der Renaissance.

Vom 1. bis 5. Nov. 1938 findet die erste Einzelausstellung in New York statt. Weitere folgen, auch in Europa.




Frida Kahlo: Selbstbildnis mit Samtkleid, 1926


Hier handelt es sich um ein Frühwerk und ist ganz in der Manier Alter Meister gemalt.


*


Leiden und lieben


Frida Kahlo lernte Diego Rivera 1928. kennen. 4 Jahre nach ihrem Unfall heirateten sie. Rivera beging Seitensprünge und scheute auch nicht vor einer Affäre mit Fridas Schwester Christina zurück. Als dies bekannt wurde, reagierte die Malerin heftig. Diego, dem sie mehr als zugetan war, und ihn heftig verehrte, reichte die Scheidung ein. Zwei Jahre später heirateten sie wieder. Frida ging auf Distanz und blieb in ihrem Haus. Sie drohte ihm, wenn er wieder mit Christina fremdginge, würde sie sich die geliebten Haare abschneiden. Nachfolgendes Bild entstand.




Frida Kahlo, Selbstbildnis mit abgeschnittenem Haar, 1940


Die Künstlerin erlitt mehrere Fehlgeburten, darunter einige Ablationen mit medizinischer Indikation. Kinder hat sie keine bekommen.

Sie reiste häufig in die Vereinigten Staaten. Auch nach Europa fuhr sie einmal. In Paris besuchte sie André Breton, den großen Surrealisten. Die Surrealisten waren begeistert von ihr. Sie selbst bekannte sich jedoch nicht zu dieser Kunstrichtung, sie bleibe in ihrer Realität. Künstlerisch war sie im wesentlichen Autodidaktin.



*




Am Schluß folgen 1950 sechs Operationen. Sie sitzt seitdem im Rollstuhl. Wegen eines Gangräns verliert sie ihren Unterschenkel durch Amputation.

1953 findet ihre erste Einzelausstellung in Mexico statt. In die Ausstellung in der Galeria de Arte Contempor´aneo von Lola ´Alvarez Bravo wird sie im Bett getragen.



*



Sie stirbt am 13. Juli 1954, im Alter von 47 Jahren. Selbstmord wird nicht ausgeschlossen.

In ihrem letzten Bild malt sie den Spruch „Viva la vidas“ (Es lebe das Leben) - Frida Kahlo hat sich ein Leben bewiesen in Selbständigkeit, sexueller Selbstbestimmung und pekuniärer Unabhängigkeit.

Frida Kahlo gilt als eine der größten Malerinnen.

 




Frida Kahlo in ihrem Garten, 1951


*


Das Blaue Haus


Das blaue Haus ist das Haus, in dem Frida geboren wurde und in dem sie gestorben ist. Im Innenhof befindet sich ein Garten mit Tieren; hier sieht man auch ihre Hunde, die Xolos. Ein Gang verband den Garten mit dem Haus Riveras. Im Inneren befand sich ihr Wohn- und Schlafzimmer. Das Haus war farbenfroh und mit einer Vielzahl von Statuen und Statuetten mexikanischer Herkunft ausgestattet.

Frida Kahlo fand hier ihre letzte Ruhestätte, auf einem Regal steht eine Urne mit ihrer Asche.




Literaturverzeichnis:


Frida Kahlo: Eine Frau malt um ihr Leben, in art, 8/1980


Lozano, Luis-Martin: Frida Kahlo, Köln 2022


Grenzmann, Tereza: Frida Kahlo, München 2023



Dagmar Radons

Dresden

E-Mail: radons.fx@gmx.de


Postfach: B 64010

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Maler der Brücke in dem Dorf Moritzburg

Die Künstlergruppe "Brücke" in Dresden-Löbtau