Großsedlitz eine Perle vor Dresden
Großsedlitz
Großsedlitz gilt als das Sächsische Versailles- oder auch als die Unvollendete. Es liegt vor den Toren Dresdens, unweit der sächsischen Haupstadt.
Sie ist die unvollendete Gartenanlage, da die geplanten Architekturen nicht ausgeführt wurden.
Lediglich das Friedrichschlößchen ist heute zu sehen. Es ist Teil der historischen Substanz, ist allerdings erst im 19. Jht. errichtet worden.
Die Gartenanlage ist gegliedert und terrassenförmig angelegt. Sie ist dreigeteilt.
Der Barockgarten wurde unter August dem Starken angelegt und diente als Platz für höfische Feste und dem Szenario der Verleihung des Polnischen Weißen Adlerordens.
Zwischen den Rabatten, die in Französischer Manier angelegt wurden, findet eine Vielzahl von Figuren Aufstellung.
1723 erwarb August der Starke, als Kurfürst von Sachsen, Friedrich August I, als König von Polen, August II, das Grundstück.
1719 war die Gestaltung durch J.C. Knöffel begonnen und nach 1723 durch Z. Longelune bis 1732 fortgesetzt.
Obere und Untere Orangerie
Knöffel errichtete 1719-1721 die Obere Orangerie, die noch heute erhalten ist, 1727 schuf Longuelune die Untere Orangerie.
Von diesem Blickpunkt ergeben sich großartige Aussichten auf das Gartenparterre. Die Orangerien erinnern an italienische Herkunft mit südländischen Früchten wie Orangen und Pomeranzen. Matthäus Daniel Pöppelmann war neben den beiden genannten Architekten derjenige, der die „Stillen Musik“ schuf.
*
Gleich neben dem Eingang ergibt sich ein „aha“, Ausdruck des Erstaunens angesichts der sich öffnenden Boskette in ein Gebiet im Bereich der Elbe.
Der ländlichen Umgebung entsprechend findet in Großsedlitz eine Vielzahl von Figuren Aufstellung, die die Göttinnen der Flora und Pomona zeigen, Göttinnen der Blumen und des ländlichen Obstanbaus
Barockgarten Großsedlitz: Pomona
Pomona: Göttin der ländlichen Baumfrüchte. Die linke Hand hält einen großen Kürbis empor, an den Füßen befinden sich zwei weitere.
*
Neben die Göttinnen gesellt sich eine Allegorie des Fischfangs, um auf diesen Reichtum Sachsens hinzuweisen. Daneben steht Diana/Artemis, die Göttin der Jagd, zu ihren Füßen ein Hund und attributiv ist ihr ein Horn gegeben. - Hygia/Hygieia, die Göttin der Gesundheit, Tochter des Äskulap, trägt zu ihrer Erkennung eine Schale im Arm.
Allegorie des Fischfangs
Diana / Artemis
Victoria / Nike
Sehr schön ist auch die Darstellung der Victoria/Nike als Siegesgöttin. Ihren Kopf krönt ein Siegeshelm mit Federbüschel, die Rechte umgreift die Fahne, die Linke umfaßt den Lorbeerkranz.
*
Auf dem Weg zum Orangerieparterre passiert der Besucher Vasen mit männlichen und weiblichen Mascarons
Durch die Sichtachse gen Süden erkennt man in der Ferne die Figur des Hercules.
Vase mit Mascarons
Der Blick auf das Bowling-green ist frei.
Ein Meisterwerk dieses Areals bildet die „Stille Musik“, eine Wasserkunst in einer Treppenanlage, bei der auf der geschwungenen Brüstung musizierende Putten stehen, die dem Ensemble den Namen geben. (links im Bild)
*
Am unteren Ende der Waldkaskade auf der gegenüberliegenden Seite unter der Oberen Orangerie stehen acht antikische Liebespaare: Doppelfiguren von sehr hoher Qualität, überlebensgroß.-
Sie zeigen traurige Geschichten auf, deren Tragik sich zur Beckenmitte steigert. Die Dramatik entsprach dem barocken Lebensgefühl und sollte die feudale Gesellschaft lustwandelnd durch den Park geleiten.
Stellvertretend sei die Geschichte von Apoll und Daphne erzählt: Daphne, eine schöne, zurückhaltende Nymphe wurde von Apollo verfolgt. Der junge Gott des Lichts hatte sich in sie verliebt und pflegte hehre Gefühle. Er hoffte auf eine Erwiderung. Daphne jedoch erschrak und wich zurück. Bevor Apollo sie erreichen konnte, verwandelte sie sich in einen Lorbeerbaum.
Die Figurengruppe in Großsedlitz zeigt den Moment der Verwandlung.
Apoll und Daphne
Blick in die Waldkaskade
Am oberen Kaskadenbecken sind die vier Erdteile verkörpert und an der Spitze die vier Elemente in zwei Gruppen.
*
Wieder auf der oberen Ebene gelangt der Besucher zwischen zwei Sphingen auf die Broderien, nach französischem Vorbild wie Teppiche angelegte Blumenrabatten.
In der griechischen Sage wird die Sphinx meist als geflügelte Löwin mit Frauenoberkörper dargestellt. Sie entstammt einer Familie mit lauter Ungeheuern. Mit einem Rätsel, das sie von den Musen gelernt hatte, machte sie den Einwohnern von Theben das Leben zur Hölle: „ Es hat eine Stimme und erscheint vierfüßig. zweifüßig, dreifüßig. Jeder, der hier die Antwort nicht kannte, wurde getötet. Ödipus löste das Rätsel: Der Mensch ist gemeint, denn als Kind kriecht er auf allen Vieren, danach steht er auf zwei Beinen, und im Alter nimmt er als drittes einen Stock zu Hilfe.“ - Die Sphinx ärgerte sich sosehr darüber, daß sie einen Suizid begann.
Eine Sphinx von Großsedlitz.
In Großsedlitz endet der Spaziergang nicht so dramatisch. Das Friedrichschlößchen lädt die Besucher zum Verweilen ein. In angenehmer Rokoko-Atmosphäre bietet es den Besuchern einen hübschen Ausspann zum Abschluß des Besuchs.
Die Schöpfer der Figuren waren Johann Benjamin Thomae für die mythologischen Liebespaare und Johann Christian Kirchner für die vier Elemente und Jahreszeiten und Erdteile, sowie Mattäus Daniel Pöppelmann für die Stlle Musik.
Text und Photos: Dagmar Radons, 2025
Literaturhinweis:
Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen: Der Königliche Lustgarten zu Großsedlitz, Dresden 2004
Impressum
Dagmar Radons
E-Mail: radons.fx@gmx.de
01172 Dresden
Postfach: 27 01 54


Kommentare
Kommentar veröffentlichen